Die Kirche auf dem Finanzmarkt

 



 

Vorgeschichte Auch die Kirche beschäftigt sich mit Geldgeschäften, und das nicht erst seit heute. Denn auch die Kirche ist an der Vermehrung ihres Kapitals interessiert und schon im Alten Testament spricht man über das Zinsverbot gegenüber Volks-und Glaubensgenossen. Im Jahre 1745 nannte Papst Benedikt XIV. den Zinsertrag als Sünde, unerlaubt und wucherisch. Erst im Jahre 1830 hob in der katholischen Kirche der Papst Pius VIII das Zinsverbot auf. Noch heute gibt es auf dem Finanzmarkt kirchliche Banken, die kirchlichen Darlehensgenossenschaften, die sich genau so wie die weltlichen Banken im Finanzsektor auskennen. Der Eigentümer dieser Banken ist nicht die Kirche, sondern kirchliche Körperschaften, das heißt, viele Kirchgemeinden haben Genossenschaftsanteile gekauft, die nicht veräußert werden dürfen. Aus diesem Grund bleibt alles Geld im weitesten Sinne in der Hand der Kirche. Da durch diese Konstellation auch die Kunden dieser Banken genau bekannt sind, die Probleme und Bedürfnisse damit ebenfalls bekannt sind, ist es den Banken ein Leichtes, dieses Klientel umfassend und sachgemäß zu beraten. Aus diesem Grund ist es auch möglich, Kredite und Darlehen, sowie Fördermittel zielgerichtet für die Bewältigung kirchlicher Interessen einzusetzen. Die beiden großen Kirchen, evangelisch und röm.-katholisch, unterhalten eigene Banken, die aber alle dem deutschen Bankenrecht unterliegen und unter der Aufsicht des Bundesamtes für Finanzen stehen. Die Oikocredit, eine ökumenische Entwicklungsbank hat allerdings einen anderen Status, da sie nicht in Deutschland, sondern in den Niederlanden ansässig ist.

Die Finanzgeschäfte So befaßt sich die Evangelische Kreditgenossenschaft mit der Vergabe von Krediten und Darlehen, wobei sie aus heutiger Sicht die selben Voraussetzungen für die Vergabe haben, wie z.B. die Sparkassen oder andere Banken. Sie befassen sich mit der immobilienfinanzierung und sie unterstützen die Vermögensbildung junger Familien. Das tun sie gleich auf zwei verschiedene Arten, zum einen vergeben sie Land, also Grundstücke im Erbbaurecht und sie vergeben dazu noch Baukredite in Form von Darlehen. Kirchgemeinden, Klöster oder Stiftungen besitzen auch heute noch viel Land. Es bringet der Kirche aber nicht viel, weil es unverkäuflich ist. Die Kirche fand die Lücke, sie verpachtet das Land für 99 Jahre und kommt somit wieder in den Genuß von Pachtgeld, Erbbauzins genannt, welches wiederum als Kredit oder Baukostenzuschuß ausgegeben werden kann. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben, dass der Erbbauzins deutlich niedriger ist, als der Zins für die aufgenommenen Darlehen. Wenig bekannt sind z.B. auch die kirchlichen Siedlungswerke, die es hauptsächlich im Westen Deutschlands gibt. Diese Siedlungswerke zahlen zum Beisptiel eine Zulage an Bauherren, die man mit der Eigenheimzulage vergleichen kann. Die einzelnen Summen sind zwar unterschiedlich hoch, aber es ist wieder eine finanztechnische Spritze für die Häuslebauer. Des weiteren unterstützt die Kirche bundesweit aus ihren Finanzmitteln und der Kirchensteuer Kindergärten, Alten-und Pflegeheime, Kinderheime und sonstige soziale Einrichtungen

Auch Fusionen spielen bei den Kirchenbanken eine große Rolle. Mit den Worten:"Wir wollten reagieren, solange wir stark sind und die Dinge selbst beeinflussen können." wurde die Fusion zwischen der DGM Evangelische Darlehensgenossenschaft eG, Münster und der Bank für Kirche und Diakonie (BKD) eG, Duisburg, im Januar 2003 perfekt gemacht. Der Zweck der Fusion sei die gewollte Stärkung der Banken um die bevorstehenden Kosten von Basel II gemeinsam zu schultern. Erläuterung: Basel II (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft) Mindestkapitalanforderungen, die eine Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken beinhalten. Angedachte Möglichkeiten von Fusionen wäre etwa die Fusion der Kirchenprovinz Sachsen mit der Thüringer Landeskirche oder die geplante Fusion mit der sächsischen Kirchenbank LKG und der KD-Bank, die zur größten evangelischen Bank in Deutschland aufsteigen würde. Man wird die weitere Entwicklung des Bankensystems verfolgen und beobachten, wie sich die Bankenkrise eventuell auch auf die Kirchenbanken auswirkt.