Geschichte des Bistums Münster
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Viktorschrein in Xanten |
Das frühe Christentum in der Rheingegend
Ausgrabungen haben nachgewiesen, dass am Niederrhein
schon in römischer Zeit Christen lebten.
Die Gräber der Märtyrer Victor und seiner
Gefährten wurden seit dem vierten Jahrhundert von einer
Christengemeinde verehrt und so zur Keimzelle der Stadt Xanten (ad
sanctos). Als sich unter König Chlodwig die Franken dem
Christentum anschlossen, konnte der Glaube auch nördlich und
östlich des Rheins Fuß fassen. Es entstand das
Erzbistum Utrecht, von wo aus die aus England stammenden
Mönche Willibrord, Suitbert und andere um 700 missionierten.
Der Heilige Liudger – Missionszentrum
in Münster
Der in der Nähe von Utrecht geborene Missionar Liudger (742
bis 809) erhielt seine theologische Ausbildung im
angelsächsischen York und im italienischen Kloster von
Montecassino.
Nachdem Karl der Große Ende des 8. Jahrhunderts die Sachsen
besiegt hatte, gab dieser Liudger im Jahr 792 den Auftrag, das eroberte
westliche Sachsenland (Westfalen, Oldenburger Münsterland,
Friesland) zu missionieren.
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Das Zentrum seiner Mission siedelte Liudger in Mimigernaford an der Aa an, dem heutigen Münster. Ein Kloster (monasterium), eine Schule und der Vorgängerbau des heutigen Paulus-Domes wurden dort errichtet.
Am 30. März 805 wurde Liudger zum ersten Bischof von Münster geweiht. Bis zu seinem Tod im März 809 in Billerbeck gab er dem jungen Bistum erste Strukturen mit Pfarreien, Klöstern und Seelsorgestützpunkten. Im Kloster Essen-Werden, das er 799 gestiftet hatte, ist er begraben. Einer seiner Schüler, Gerbert, genannt Castus, missionierte von Visbeck aus im Oldenburger Land.
Blütezeit des Bistums im Mittelalter
Mit der Jahrtausendwende erlebte das junge Bistum nicht
zuletzt durch den Anstieg der Bevölkerung einen
wirtschaftlichen Aufschwung.
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Grabmahl des |
Es wurden viele neue Kirchen errichtet, die die frühe Blütezeit des Bistums widerspiegeln. Bischof Erpho (gest. 1097) weihte 1090 den zweiten Dom, der schon fast den Umfang des heutigen Domes hatte. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstand die münstersche Stadtkirche St. Lamberti, später folgten weitere Stadtkirchen. Zugleich entwickelte sich das Bistum zu einer dichten Klosterlandschaft, vor allem von Frauenklöstern. Neben den bereits im 9. und 10. Jahrhundert begründeten Stiften gab es bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts allein zwölf Zisterzienserinnenklöster. 1264 wurde der heutige St.-Paulus-Dom geweiht. Das 13. Jahrhundert war die religiös geprägte Blütezeit des Bistums, was auch in erstrangigen Kunstwerken aus dieser Zeit zum Ausdruck kam. Hermann II. (gest. 1203) wurde erster Fürstbischof im Bistum Münster. Er war somit nicht mehr nur geistlicher Hirte, sondern zugleich Territorialherr.
Hatte der Bischöfliche Stuhl schon länger eine größere Zahl von Höfen besessen, so wurde der Bischof durch Schenkungen der Grafen von Cappenberg, Verträge mit Tecklenburg und den Erwerb des "Niederstifts" im Emsland und in Vechta zum mächtigsten Landesherrn im Münsterland. 1220 wurde seine Landeshoheit durch Kaiser Friedrich II. bestätigt, die bis 1803 Bestand hatte.
Die Reformation im Bistum Münster
Der weltliche Herrschaftsanspruch führte auch
im Bistum Münster zu Auseinandersetzungen mit den
Landständen und der Stadt, die vor allem im 15. Jahrhundert zu
kriegerischen Streitigkeiten führten. Die Reformation
erreichte Münster nach der Revolution von 1525, den so
genannten Bauernkriegen. Im Jahr 1530 hielt der Kaplan Bernhard
Rothmann die ersten Predigten über die neue christliche Lehre.
Er ging in Opposition zum höheren Klerus und übernahm
1532 die Stadtkirche St. Lamberti. Als sich der Stadtrat auf die Seite
der Reformation begab, schien der Konflikt zwischen den Lutheranern und
der Bistumsleitung unvermeidlich. Am 14.2.1533 sicherte der
Dülmener Vertrag zwischen Domkapitel und Rat beiden Seiten
freie Religionsausübung zu: in den sechs Stadtkirchen
reformiert, im Dom altkirchlich.
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Jan van Leiden. |
Die Herrschaft der Täufer in
Münster
Mit den Lehren der Täuferbewegung erreichte
eine Radikalisierung der Reformationsideen die Stadt. Aus den
Niederlanden kamen Prediger dieser Bewegung nach Münster und
vertraten neben der Forderung der neu zu vollziehenden Taufe ein
apokalyptisches, von der Erwartung einer baldigen Wiederkunft Christi
geprägtes Weltbild.
Der Führer der Bewegung, Jan van Leiden, ließ sich im September 1534 auf dem Prinzipalmarkt zum "König des neuen Sion" ausrufen. Unter dem Anspruch, das gesamte Leben nach dem Evangelium auszurichten, begann eine brutale Herrschaft der so genannten "Wiedertäufer", bis die Stadt nach sechsmonatiger Belagerung mit Hilfe anderer Bischöfe und Landesherren zurückerobert wurde. Die Anführer der Täufer wurden wegen Aufruhrs öffentlich hingerichtet und – wie damals üblich – zur Abschreckung in eisernen Käfigen an der Stadtkirche Münsters, der Lambertikirche ausgestellt.
Das Bistum in Zeiten der Gegenreformation und
der Aufklärung
In den folgenden Jahrzehnten standen die katholische
Erneuerung und Konfessionalisierung der Bistumsgebiete im Mittelpunkt.
Fürstbischof Johann von Hoya verfolgte konsequent die
Umsetzung des Konzils von Trient (1545-1563) im Bistum
Münster. Als erster deutscher Bischof bediente er sich des
jährlichen Fastenhirtenbriefes zur Verkündigung an
Klerus und Volk.
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Fürstin Amalie von Gallitzin. |
1648 wurde Münster zusammen mit Osnabrück als Stadt des Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg beendete und ein neues Völkerrechtsverständnis begründete, weit über die Bistums- und Landesgrenzen hinaus bedeutsam.
Die katholische Aufklärung, die Anschluss an die geistige Entwicklung in Deutschland in einer Synthese von traditionellem Katholizismus und aufgeklärten Weltgeist suchte, hatte im "Kreis von Münster" eine Heimat. Der Zirkel von Gelehrten, Adligen und Geistlichen formierte sich um die Fürstin Amalie von Gallitzin und Franz von Fürstenberg. Letzterer gründete im Jahre 1771 die erste Universität in Münster. Die von dem vermittelnden Geist des Kreises geprägten Schulreformen des Bistums unter Leitung des Priesters Bernhard Overberg galten damals in ganz Deutschland als vorbildlich.
Säkularisation und Kulturkampf
Einen großen Einschnitt erlebte das Bistum zu
Beginn des 19. Jahrhunderts, fast genau 1000 Jahre nach der Weihe
Liudgers, als im Zuge der Säkularisation das Ende des
Konfessionsstaats im Fürstbistum Münster gekommen
war. Klöster und Kirchen wurden als Lagerhallen, Kasernen oder
Pferdeställe genutzt; kostbare Kunstwerke kamen in private
Hände.
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Bischof Johann Bernhard Brinkmann. |
Die folgenden Jahre bis zur Gegenwart unterwarfen das Bistum einem steten Wandel. In der Zeit der preußisch-protestantischen Monarchie kam es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Auf- und Ausbau eines dichten katholischen Caritas- und Vereinswesens, das einerseits der Bewahrung der religiösen Identität diente, anderseits den Willen dokumentierte und umsetzte, den gesellschaftlichen Wandel in der Epoche der Industriellen Revolution im christlichen Sinne zu gestalten.
Nicht zufällig stammte der legendäre Mainzer
"Sozialbischof" Wilhelm Emmanuel von Ketteler aus dem Bistum
Münster, wo er mit dem Elend weiter Teile der
Bevölkerung konfrontiert worden war. Dieser sich zu einem
geschlossenen "Sozialmilieu" formierende Katholizismus wurde in den
1870er Jahren durch die antikatholische Kulturkampfpolitik des
Reichskanzlers Bismarck zusätzlich gestärkt. Die
Katholiken im Bistum Münster reagierten eher trotzig als
eingeschüchtert auf den Kulturkampf. Pater Arnold Janssen aus
Goch am Niederrhein verließ Deutschland und gründete
1875 in den benachbarten Niederlanden das Steyler Missionswerk. Bischof
Johann Bernhard Brinkmann ignorierte die preußischen
Verordnungen und wurde deshalb 1875 für 40 Tage in Warendorf
inhaftiert.
Im Widerstreit des Nationalsozialismus
In den folgenden Jahren bewegten sich Nationalstaat und
Katholiken immer mehr aufeinander zu, was sich nicht zuletzt an der
zunehmenden Loyalität zum Kaiserreich und der nationalen
Begeisterung vor dem Ausbruch des I. Weltkriegs zeigen lässt.
Zu Zeiten der Weimarer Republik sollte die katholische Vereins- und
Lebenswelt im Bistum nochmals einen Aufschwung erfahren, was dazu
führte, dass die NSDAP auch bei ihrem Wahlsieg 1933 in den
Gebieten des Bistums Münster – und vor allem im
oldenburgischen Teil – mit ihre schlechtesten Ergebnisse im
ganzen deutschen Reich zu verzeichnen hatte.
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Kardinal Clemens August Graf von Galen. |
Als Glücksfall für das Bistum erwies sich im Jahr 1933 die Wahl von Clemens August Graf von Galen zum Bischof, der fortwährend die Unvereinbarkeit des NS-Regimes mit den Grundwerten des Glaubens unterstrich. Er bezog bereits 1934 in einem Hirtenbrief deutlich Stellung gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt. Als Reaktion auf die reichsweiten Diskriminierungen von praktizierenden Gläubigen und die Schließungen von katholischen Einrichtungen legten die Katholiken im Bistum in unterschiedlichsten Formen Zeugnis ihres Glaubens ab. Ein Höhepunkt der Opposition der Gläubigen war der so genannte Oldenburger Kreuzkampf im Jahr 1936, nachdem die Regierung die Entfernung der Kreuze aus den Schulen angeordnet hatte. Vehemente Proteste der katholischen Bevölkerung führten schließlich zur Zurücknahme des Beschlusses.
Bischof Clemens August Graf von Galen stellte sich immer mehr an die Spitze des religiösen Widerstandes im Reich. In Hirtenbriefen und Predigten verteidigte er den Glauben und lehnte sich gegen die Unterdrückung der Kirche auf. 1941 hielt er seine berühmten Predigten gegen den Gestapo-Terror und die Euthanasie, wobei er betonte, dass es ihm jetzt nicht mehr nur um kirchliche Belange, sondern allgemein um menschliche Rechte ging. Nach dem Ende des NS-Regimes erhob Papst Pius XII. Graf von Galen im Jahr 1946 zum Kardinal.
Wiederaufbau bis heute
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Petruskirche. |
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